Jan-Olof Wadehn

Leidenschaft Ausdauer

30km die Werse hin&her – einfach geil und ohne Regen

Ich schick es mal als Prolog vorweg. Ja, der Text ist aus dem Ärmel geschwungen länger geworden als beabsichtigt. Wie immer, wer es liest und wem es inhaltlich gefällt, darüber freue ich mich doch sehr. Wer mich kennt weiß, dass ich solche Zeilen indes primär für mich zur konspirativen Erinnerung notiere – sozusagen als Gedankenfüller. 🍀Also, was möchte der Jan (sich) heute Gutes kund tun… 😌

Was ein geiler Lauf…🏃‍♂️

Blick Richtung Sudmühle

Zu Beginn dachte ich nach 2km an der roten Ampel auf das grüne Licht für Fußgänger wartend, ich zieh die Laufschuhe aus und das war es für heute… das fühlte sich insgesamt definitv nicht nach Laufen an. Meine Motivation war auch keiner – wie heißt es so schön – ‚Grundspannung‘ gediegen. Aber Training ist im Gegensatz zu anderen Dingen des körperlichen Seins bekanntlich nicht immer eine Frage von Lust… Mit dem grünen Ampelicht kam dann wohl erst der eigentliche Startschuß für das Läufchen selbst.👍

Mir schoß der Gedanke eines mir (noch) nicht persönlich bekannten Laufkollen durch den Kopf, der kurz vor meinem Start etwas „textete“: „Übertraining wäre für mich der absolute Alptraum. Deshalb lege ich auch immer Pausentage ein, weil ich nicht wüsste, wo Übertraining beginnt. […]“ (Kleine Anmerkung: Jener hat physisch mehr auf der ‚langen Kante‘ drauf als er sich gegenwärtig (noch) zutraut. Wenn die mentale Komponente ihm noch ‚grünes Licht‘ gibt, werde ich seine Laufschuhe erst recht nur von hinten sehen können. Mache ich glaube ich aber jetzt bereits schon. 😯

An der Werse

Ja, dieses „Übertraining“. Wo beginnt es? Wann ist man schon mittendrin? – Gerade im sportlichen Segment des Ultralauf-Sports ist man ja schon über die langen Distanzen physisch getriggert, möglicherweise den Körper über das sinnvolle Maß hinaus zu fordern.Mit zunehmender Leistungsfähigkeit verschieben sich ohnehin Grenzen. Wenn früher ein Marathon im Training ein gefühlt toughes Ziel war, ist es zuweilen nur noch ein Blick der Kenntnisnahme auf die GPS-basierte Sportuhr, das man die 42 km Marke passiert hat und man macht einen Klick zum Abspeichern der Zeitmarke an diesem Punkt – und weiter geht es auf dem track. Gerade dieses subjektive Leistungsvermögen geht als mentale Grenzverschiebung jedoch oft nicht einher mit der physischen Belastbarkeit. Der gesamte Bewegungsapparat und all die defizielen biochemischen Vorgänge zur Leistungsadapation (ein für wahr sehr spannender Bereich) verlangen jedoch gar nicht nach Distanzen und Zeitumfängen im Training, die jenseits von xy sind.

Diese perpeturiende Vergegenwärtigung jener von der Natur gesetzten Grenzen ist gar nicht so verkehrt. Den eigenen Körper gut zu kennen, zu wissen, das 30 erlaufene Kilomenter im Training für den eigenen körperlichen Belastungsgrad deutlich effektiver sein können als sich ebenso leichtfüßig angefühlte 42 oder 50km, ist zuweilen auch schon eine kleine Herausforderung. Das Wissen darum ist überdies eine Sache. Dieses Wissen auch noch in die Realität umzusetzen macht ja erst effektiv das im Ansatz ambitioniert leistungsorientierte Training aus.🎗🐯

Kleiner nachgeholter Einschub an dieser Stelle… Eben noch mit Wolfi (Wolfgang) telefoniert zum Stichwort „Übertraining“. 📌Ja, man muß sich immer wieder vor Augen halten, mit der Bewegung, egal ob 10, 20, 30, 40, 50, xy Kilometer in relativer Intensität setzen wir Läufer*innen „nur“ den sportlichen Reiz. Leistungsfähiger werden wir definitiv erst in der Phase der Regeneration und damit über die Anpassung an die Belastung, die wir über welchen auch immer so tollen Lauf erlebt haben. Sei es hier die aktiv erlebte Regeneration oder noch schöner passiv auf dem Sofa beispielsweise. 💆‍♀️Wenn wir diese Anpassungsprozesse physiologischj dauerhaft über zu viele sportliche Reize ins Ungleichgewicht manövrieren, klar, irgendwann funktioniert das System der Adaption und der damit zugrunde liegenden Superkompensation nicht mehr. Übertraining ist zweifellos nicht zielführend. Also lieber bewußt auf dem Sofa ganz entspannt liegen und gegebenenfalls das eine oder andere Nüsschen oder was auch immer genießen. Dabei kann man sich zuweilen auch mal mit interessanten Formeln wie der zum sogenannten ‚Training Stress Score‘ – bewußt beispielsweise genannt – beschäftigen, um in Zahlen einen Überblick zu erhalten, wie sinnvoll das Sofa gerade faktisch ist. Wie war das noch mit dem TSS? … TSS = (Sek x NP® x IF®)/(FTP x 3600) x 100 . Gut, dass es dafür mitlerweile Apps gibt. 👏

Und da ich mich ja selbst nicht ‼️ im sogenannten ‚Übrertraining‘ befinde, war es lediglich ein lediglich interessanter und dennoch auch ein insgesamt immer wieder zu beachtender Gedanke, welcher während des Laufs aufkam. [… So! Einschub Ende 🤘 …]Bleibt also die Sache mit dem „bipolaren Training“. Ca. 80% in bewußt ruhigem GA1 Tempo bekomme ich ja mental top hin. Mein Körper und Köpfchen arbeiten an der Stelle irgendwie nicht zusammen. Nach 10km und dem Blick abseits der sich neben mir mäandrierend dahinschlengenden Werse am Horizont auf ein dichtes Wolkenband – das war deutlich mega – fangen die Beine dann doch wie von selbst, ohne mein bewußtes Zutun an, in die „laufende Bewgung überzugehen“. Da nach 30km der Spass eh schon vorbei ist, sollen die Beine mal machen denke ich mir. Zugegeben, nach 28km Distanz noch das Gefühl zu haben durch den Boniburger Wald Richtung ‚Canello‘ die Füße voreinanderwerfend galoppieren, ist einfach herrlich.Wie war das nochmal diesen bewegungsreichen Rückblick einleitend? – „Ja! Ein geiler Lauf“…P.S. Übrigens, trotz der dunklen Regenwolken um mich herum, ich habe nicht einen Regentropfen abbekommen. So ganz verkehrt war das Training also nicht. 🥳

Buon dì 🌏☀️❤

  • 6. Oktober 2020
  • 30 km
  • GA1
  • Münster

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© 2020 Jan-Olof Wadehn

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