Jan-Olof Wadehn

Leidenschaft Ausdauer

Jan-Olof Wadehn

Wer ist jener Jan-Olof. – „Einfach nur Jan“, sage ich ja auch gerne. Bis ich meinen Namen erklärt habe, sind die anderen am Verpflegungspunkt (VP) eh schon weiter gelaufen. 😉

Am 9. März ‚im Jahre des Herrn‘ durfte ich im ostwestfälischen Bielefeld im Stadtteil Schildesche das Licht der Welt erblicken. Damit bin ich sozusagen „Schildsker“.

Was meine sportliche curriculum vitae angeht, möchte ich meine Freude am Schwimmsport, Radsport, Triathlonsport und nicht zuletzt Laufsport Erwähnung finden lassen.

Angefangen habe ich sozusagen prokrastinierend mit dem ‚gar nichts tun‘, so könnte man sagen. Wobei faul sein im Prinzip dennoch einen Zustand der marginal geringen Aktivität ausdrückt. Irgendwann bemerkte ich zudem, dass ich in Anbtracht des leckeren Süßigkeitenkonsums, dem Industriezucker sei Dank, damit begann, sagen wir mal deutlich kräftig zu werden.


Schwimmen

Mit dem Eintritt in den hiesigen Schwimmverein (Schwimmabteilung des TSG Harsewinkel e.V.) nahm ich step by step Tuchfühlung zum Ausdauersport auf. Und das war schon ein ganz schön harter Sport, wie ich auch im Nachhinein noch finde, wenn ich darüber siniere, ob der kalorische Verbrauch beim Schwimmen oder beim Laufen höher ist. Angeblich sei er beim Schwimmen nicht höher. Ich halte dies ja nach wie vor für ein Gerücht.

Das Schwimmtraining war toll und hart. Im Prinzip 5 Tage die Woche. Alles war darauf ausgerichtet, viel zu trainieren. Es gab auch tagesaktuelle Trainingspläne. Das Wort Regeneration fand irgendwie nicht wirklich Gehör. Wobei meine Ohren nach wie vor zwischen lauten und leisen Tönen unterscheiden können. Naja, das typische Training einer 4 km umfassenden Trainingseinheit ging mit dem Raunen in der ca. acht Köpfe umfassenden Gruppe der jugendlichen Schwimmer um.

  • 600 Meter 1. Lage mit Paddles
  • 400 Meter Technik
  • 100 Meter beliebig locker
  • 3 Serien á 6×50 Meter 1. Lage
  • 50 Meter beliebig locker
  • 3 Serien á 6×50 Meter 2. Lage
  • 100 Meter beliebig locker
  • 4×100 Meter 1. Lage
  • 2×100 Meter 2. Lage
  • 200 Meter Ausschwimmen

Die immer wieder kehrenden Wettkämpfe in der näheren Umgebung waren nichts für mein Nervenkostüm. 100 Meter Freistil in 1:04min. Ja, toll. Dennoch nicht unter einer Minute. Und dennoch war es nicht der Sport, den ich eigentlich präferierte. Diese Ruhe des sich Bewegens gab es beim Schwimmen für mich seinerzeit irgendwie nicht. Das war alles schon sehr leistungsorientiert. In Warendorf, wo ich zum „Augustin-Wibbelt-Gymnasium“ zur Schule ging, trainierte ich an der hiesigen Bundeswehr Sportschule. Tolles sportliches Terrain insgesamt. Das Schwimmbecken eine 50 Meter Bahn indoor erster Güte mit allem Schnick-Schnack, mit was die 90er Jahre aufwarten konnten. Dinge, die heute gewiss ’normal‘ sind. So zum Beipiel die Leuchtidioden auf dem Beckenboden, um bespielsweise 1500 Meter in einer bestimmten Zeit schwimmend sich daran orientieren zu können.

Als ich noch in Harsewinkel wohnte und mit dem Bus die 20km nach Warendorf zur Schule fahren durfte, bin ich im Sommer vor der Schule oft noch auf 1500 Meter ins Wasser des Freibades. Die ersten Meter waren immer saukalt. Boah! Alter Schwede! Nach 50 / 100 Metern aber war es einfach nur super. Dieses Gefühl nach dem Training war unbeschreiblich angenehm. Oft bin ich dann auch mit dem Rad die Strecke zur Schule gefahren und mittags danach wieder zurück. An Grundlagenausdauer mangelte es mir zweifellos nicht. Selbstredend nicht bewußt erkannte Zeichen, dass ich später die langen Distanzen sportlich insgesamt bevorzuge.

Das Training an der ‚BW Sportschule‘ war toll und hart zugleich. Auf Bahn 1 und 2 schwamm oft der deutsche Nationalkader unter der Obhut des damals amtierenden Bundestrainers Manfred Thiesmann, welcher in der nahen Umgebung von Warendorf lebt. Da siehst du die Jungs neben die auf der Bahn mit ihren langen Armzügen dahingleiten und meiner einer, auch nicht so ganz langsam, quält sich im Vergleich gefühlt dennoch einen ab.

Diese Zeit gab dem Körper die notwendige mentale und physische Härte des Trainings mit. Training war eben mit marginal körperlicher Anstrengung verbunden. Dies mental immer wieder auf sich zu nehmen, mußte man schon irgendwie wollen. Ich wollte es und ich mochte es auch.

Klar hatte dies auch Auswirkungen auf mein soziales Umfeld. Wenn andere sich in der sogenannten Clique trafen, ging ich lieber trainieren. Heutzutage würde man von einer klassischen Sportsucht sprechen. Ebenso bin ich angesichts meines großen Freundes- und Bekanntenkreises überrascht, wie sozial verträglich ich mich dann doch noch entwickelt habe.

Um es auf den Punkt zu bringen, die damalige Zeit möchte ich mitnichten missen.


Rad fahren

Mit meinem Großvater fuhr ich super gerne mit dem Rad nach seiner Arbeit bei der Firma „Claas“ in Harsewinkel zu den Mähdreschern. Damals wurden diese noch nach der Produktionsfertigstellung auf der ‚freien Wiese‘ abgestellt und konnten so ohne weiteres ‚besichtigt‘ werden. Ich fand das ja grandios als Kind. Oft machten wir auch Touren im näheren Umkreis bis 40km. Später dann als ich mein erstes Rennrad meins nennen durfte, standen dann auch die ersen RTF´s – sogenannte Radtouristikfahrten – mit einer Distanz von 100 bis 150 km auf dem Programm. Das war für mich schon riesen Kino damals. Die winterlichen Radausfahrten mit seiner firmeninternen Radgruppe ging dann auch oft mal über 60km bei eiskaltem Wetter mit einem 30er Schnitt netto Richtung Brockhagen raus. Ist wirklich egal, wo das liegt. Es war halt kalt. 😉 Dennoch, diese Zeit war wunderschön!


Laufen

Mitlerweile sage ich gerne entspannt „laufen geht immer“.
Das war früher anders. Gelaufen bin ich damals eigentlich sehr ungern.

Jan am Aasee (Münster)

Ich weiß mich noch an meine ersten Laufaversionen in der Schulzeit zu erinnern. In der 5. Klasse meinte unsere Sportlehrerin. „So Kinders, heute laufen wir drei Runden um den Schwanenteich.“ Der Teich umfasst eine Distanz von ca. 700 Metern. Ohne Sinn und Verstand mit ganz viel Seitenstechen jappste ich die vorgegebenen drei Runden ab. Das war nicht meins. Wie sollte man bei den Pseudo-Wettkampfbedingungen dabei auch nur im Ansatz eine Leidenschaft für den Laufsport empfinden. Bei den Bundesjugendspielen in Sachen Leichtatheltik reichte es regelmäßig auch nur zur ‚Siegerurkunde‘. Als Bewegeungslegastheniker war der Weitwurf perpetuierend mein punkteseitiger Untergang. Ich trug es mit Würde, keine Ehrenurkunde zu bekommen.

Dann war auch erstmal für eine gute Weile Schluß mit Laufen. Zu dem Zeitpunkt konnte ich wahrlich nicht erahnen, dass ich Jahre später mal eine wahre Leidenschaft für das Laufen selbst entwickeln würde.

Irgendwann hielt ich es für eine feine Idee, früh morgens vor der Schule – ich fuhr seinerzeit mit dem Bus nach Warendorf zur Schule – ganz wenige Meter laufen zu gehen. So legte ich mir bewußt Sportsachen, die mir dafür geeignet schienen zurecht, zog jene nach dem Klingeln des Weckers um 5 Uhr an und lief – ich kann mich noch sehr gut erinnern – einmal um den Block. Lass es maximal 1 km gewesen sein. Es war Winter, ein kalter Winter. Eis und Schnee lagen auf den Strassen. Die ersten Meter waren jeden Morgen mit einer einschneidenden Kälte im Gesicht verbunden. Zu dem Zeitpunkt schwamm ich bereits. Dass Training sich im Zuge der Wiederholung der Einheiten zu einer Leistungssteigerung führen und damit erst effektiv sind, war mit damals bereits klar. Also wiederholte ich dies jeden Tag von Montag bis Freitags.

Das war toll irgendwann, richtig toll. Ja, so ging das eigentlich los bei mir.

Mit dem Triathlontraining und den damit verbundenen Wettkämpfen war zunächst alles auf die 10km Strecke ausgelegt.


Triathlon

Irgendwann End der 80er Jahre kam der Triathlon-Sport auf.
Hawaii läßt grüßen. [Anmerkung: Der Ironman auf Hawaii ist DAS event im Triathlonsport. Dennoch hat es mich bis heute nicht gereizt daran teilzunehmen.] Alles im Triathlonsport war damals bunt und innovativ. Die Rahmen der Rennräder und die aerodynamischen Lenkeraufsätze, die bunten Laufklamotten, die oft eh nur aus Badehosen und unterhalb der Brust abschnittenen Laufshirts, einfach alles. Das war schon eine tolle Zeit!

Meiner einer erhaschte infoseitig so ziemlich alles vom Triathlonsport, was ich aufschnappen konnte. Das Internet gab es ja noch nicht. Auch die einschlägige Literatur war sehr schmal gesät.
Namen aus der Szene wie Dave Scott, Mark Allen, Molina, Scott Tinley, Pauli Kiuru usw. waren neben den deutschen Akteuren der Szene mit Dirk Aschmoneit, Jürgen Zäck,, Thomas Hellriegel – man darf ruhig sagen – gewisse Vorbilder, an den man sich im Training orientierte. Dem Schweizer Ex-Profi aus jener Zeit namens Roy Hinnen folge ich immer noch sehr gerne auf seinem YouTube Kanal.

Der Triathlon Sport hat darüber, dass er mit dem Schwimmen, Rad fahren und Laufen gleich drei Sportarten in sich vereint, das leidige Potential, bei eifriger praxisorientierter Wahrnehmung ohnehin permanent entweder an der Grenze zum Übertraining entlang zu trainieren oder sich gemeinhin längst darin zu bewegen. Letzteres durfte ich am eigenen Körper, äh Sympathikus, durchaus erfahren.

Die sogenannte ‚NRW-Liga‘ damals noch ‚Kronen Tour NRW‘ benannt (eine Brauerei steht wohl für das ‚Kronen“) ging es oftmals in den Sommermonaten von Mai bis August in Nordrhein-Westfalen zu verschiedenen Kurztriathlon Wettkämpfen nach Hückeswagen, Witten, Dortmund, Minden, Siegen und auch losgelöst von der sportlichen Wettkampfserie nach Riesenbeck, Sassenberg, usw.

Mit 18 Jahren meinte ein – ich möchte bewußt sagen – guter Freund und seines Zeichens deutlich interssanter Extrem- und Multisportler namens Wolfgang Kulow irgendwann beim Schwimmtraining an der Ostsee in Oldenburg (Holstein), ob ich Lust hätte, mit ihm zum Ironman* nach Podersdorf (Neusiedler See) zu fahren. Ich dachte erst nur, das schaffe ich doch nie. Wolfi erwiderte, doch klar schaffst du das. Du bist gut trainiert. Nun also gut. Wir fuhren zusammen an jenen Ort südlich der österreichischen Hauptstadt Wien und ich absolvierte meinen ersten Ironman in einer Zeit von 12:xx Stunden. (Die genaue Zeit weiß ich leider nicht mehr.) Viel zu schnell ging ich dabei jeder der drei sportlcihen Disziplinen an. Beim Laufen war in jedem Fall der Ofen ab km 20 ca. in der warmen Sonne aus. Ich quälte mich ab da ziemlich in Richtung der Ziellinie. Egal, über mein finish war ich seinerzeit mal so richtig happy.

Zwei Ironman* Teilnahmen in Roth (Nürnberg) und Moritzburg bei Dresden gelegen folgten noch. Dennoch, den ultimative n sportlichen Kick spürte ich seinerzeit nicht unbedingt. Vielleicht ist damit auch für mich die Erklärung gefunden, weshalb mich nie etwas nach Hawaii zum legendären eigentlichen Ironman*-Wettkampf zog.

Mit 28 Jahren sah ich mich Ende Juli im Jahr 2000 dann auch noch selbst an der Startlinie, in diesem Fall dem Beckenrand, des Schwimmbades zu Lensahn (Holstein), um die nächsten vielen Stunden und zwei Nächte hindurch 11,4km zu schwimmen, 540km Rad zu fahren und 126,6km zu laufen. Die Langtriathlondistanz (Ironman*) mal drei eben. Übrigens ich bin heutzutage immer noch happy, das geschafft zu haben. Jedoch hat mir das damit dann auch ‚gereicht‘. In der Nachbetrachtung ist es jedoch weniger die Distanz, vielmehr das ewige Runden drehen. Egal ob im Schwimmbad x Bahnen, beim Rad fahren ca. 96 Runden oder beim Laufen sogar 100 Runden. Ich bin immer noch sehr gerne vor Ort in Lensahn zu jenem Ultra-Triple Triathlon Event Ende Juli im Jahr und betreue den einen oder anderen Athleten im Rahmen meiner Möglichkeiten – gerne auch mit allen Spielarten der psychologischen ‚Tricks‘ – in Richtung Ziellinie. Das macht mir zugegeben richtig Spass.

Über das Erleben am Streckenrand zum 1. Ultratriathlon in Lensahn 1990 und das in den folgenden Jahren oftmalige Betreuen von Astrid Benöhr und anderer Athleten habe ich von der klassischen Kurzdistanz und der Ironman* – Distanz die Motivation zum Erleben des Ultratriathlons am eigenen Körper und Geist gefunden. Ich erwähne bewußt den Geist. Soviel steht fest. Ohne mentale Kraft und den echten Willen kommt man bei sowas gewiß nicht ins Ziel.

Heute freue ich mich immer wieder, wenn ich von anderen erfahre, dass sie dem Triathlonsport gerne nachgehen. Ich habe für mich die Erkenntnis gewonnen, dass der seinerzeit so bunte Sport im Laufe der Jahre immer materialistischer und zu einem in gewissem Sinne hochnäsig anmutenden Vergleich der Athleten untereinander verkommen ist. Ich mag mich irren, dennoch ziehe ich das gefühlte Miteinander, welches sich im Ultralauf sportlich abzeichnet, jenem empfundenen habitus des Triathlonsports, die Ultradistanz klammere ich davon bewußt aus, vor.

* Ironman ist ein markenrechtlich geschützter Begriff für die Triathlon Langdistanz (3,8km Schwimmen, 180km Rad, 42,2km Laufen).

© 2020 Jan-Olof Wadehn

Thema von Anders Norén